Presse

Mein ganz persönlicher Rückblick auf die Bürgermeisterwahl in Bernau

26.06.2022

Heute vor einer Woche waren die Bernauer zur Bürgermeisterwahl aufgerufen. Das Ergebnis ist bekannt: Die Wahlbeteiligung war niedrig. André Stahl gewann im ersten Wahlgang, ich erreichte einen soliden zweiten Platz mit rund 30% und die anderen drei Mitbewerber landeten in Summe bei weniger als 7%.

Ich hatte in der vergangenen Woche etwas Zeit, mich zu sortieren, zu fassen und zu begreifen, was in den letzten Monaten eigentlich alles passiert ist. Das war eine ganze Menge. Beginnen wir ganz vorn: Bei der Kandidatenfindung. BVB / FREIE WÄHLER Bernau ist gut aufgestellt und so gab es einige potenzielle Kandidaten, die für die Kandidatur in Frage kamen. Bei unserer internen Nominierungsveranstaltung Mitte Dezember 2021 kürte mich eine überwältigende Mehrheit unserer Mitglieder zur Kandidatin: Nochmal herzlichen Dank an dieser Stelle für das deutlich zum Ausdruck gebrachte Vertrauen!

Der Start der Kampagne bzw. der Vorbereitung war noch relativ entspannt und ich dachte, sooo anstrengend wird es also nicht werden. Doch weit gefehlt. Kurz vor Ostern schalteten wir dann mindestens zwei Gänge hoch. Denn nach Ostern sollte der offizielle Startschuss fallen. Es ging dann Schlag auf Schlag. Das Pensum stieg deutlich: Bürgerversammlungen, Podiumsdiskussionen, Speakers‘ Corner, wöchentliche Wahlkampf-Teammeetings, Fotoshootings, Videodrehs, Bürgerkontakte per Mail und Telefon und natürlich nicht zu vergessen: die unglaublich vielen Haustürgespräche.

Das erste Highlight war mein erstes MOZ-Interview. Ich war ziemlich aufgeregt, aber dank guter Vorbereitung habe ich es, denke ich, ganz gut hinbekommen. Wirklich witzig waren auch die Szenen, als meine Plakate in der Stadt hingen und manche verdutzt davor stehen blieben. Der Blick wanderte zum Plakat, dann wieder zu mir, wieder zum Plakat, bis ich dann sagte: Ja, ich bin es. Das sorgte schon auf beiden Seiten für Heiterkeit. Ein junger Mann sprach mich sogar in der Innenstadt an und wollte vor einem Plakat ein Selfie mit mir machen.

Gemischte Gefühle hatte ich bei der ersten Podiumsdiskussion. Man wusste ja nicht, welche Fragen drankommen, wie das Publikum so drauf ist. Es war ein Wechselbad der Gefühle, doch auch hier hatte ich mir wieder zu viele Gedanken gemacht, denn es lief aus meiner Sicht sehr gut. Gute Vorbereitung ist nun mal die halbe Miete.

Nicht so schön waren die regelmäßigen Attacken auf meine Person, auf meine Inhalte und auch auf mein Geschlecht. Das allermeiste fand in der Anonymität des Internets statt. Einige „Groupies“ des Amtsinhabers haben sich dazu hinreißen lassen, mich anzupöbeln. Interessant fand ich auch den Vorwurf, dass ich zu viele Inhalte habe. Kein Aufreger war dagegen, dass einige Kandidaten nur ganz wenig Programm hatten und ein Kandidat sogar gar kein Programm (sieht man von Spiegelstrichen ab).

Regelmäßig gab es Kritik, man könne dies oder jenes (z.B. Gesundheitspolitik) ja gar nicht entscheiden oder das könne man nicht beeinflussen. Meiner Meinung nach waren das vor allem Nebelkerzen, die entweder Verantwortung für Probleme wegdrücken oder die eigene Rolle kleinreden wollten. Ein Bürgermeister ist erster Ansprechpartner für alle Anliegen, die in der Stadt passieren. Und dann muss man für die Themen kämpfen, die den Menschen unter den Nägeln brennen, ob zuständig oder nicht. Das darf ich nun leider nicht als Bürgermeisterin, aber als Stadtverordnete und Fraktionsvorsitzende von BVB / FREIE WÄHLER Bernau werde ich diesen Weg weitergehen.

In der heißen Phase stimmten wir uns via Chats und Telefon fast täglich ab. Irgendwas war immer zu erledigen oder zu besprechen: Hier eine Anfrage, dort noch ein Bürgerbrief, der freigegeben werden musste und zwischendurch auch immer wieder schauen, was die Konkurrenten machen. Da waren auch einige lustige aber auch weniger lustige Momente dabei. Und bis heute frage ich mich, ob bei einem Kandidaten das „von Herzen kommende“ auf Lars Stepniak-Bockelmann oder auf mich gemünzt war. Vielleicht war es auch gar kein direkter Bezug zu uns. Mal schauen, ob wir das noch erfahren.

Die erfahrenen Leute im Wahlkampfteam haben es schon angekündigt, aber so wirklich glaubt man es erst, wenn man es selbst erlebt: Wahlkampf ist richtig harte Arbeit, die einen an körperliche und auch mentale Grenzen bringt. Denn wenn man nicht aus dem Amt heraus agieren kann, muss ja im „Hintergrund“ alles weiter laufen: Job, Familie, Verpflichtungen. Im Rückblick frage ich mich, ob ich nicht doch eine kleine Lücke im Raum-Zeit-Kontinuum gefunden habe und aus einem Tag 26 Stunden pressen konnte. Einige kleinere Pausen (wie mein Hochzeitstag) zwischendurch waren ein Anker, um mal Luft zu holen und auch ärgerliche Sachen abzuhaken.

Als Kandidatin stand ich an vorderster Front. So eine Bürgermeisterdirektwahl ist doch nochmal was anderes als eine Listenwahl mit vielen Kandidaten wie bei der Kommunalwahl. Ich habe gespürt, wie ich bei einigen Hoffnungen, Emotionen und auch Sehnsüchte nach einer anderen Politik wecken konnte. Es war toll zu erleben, wie viele positive Rückmeldungen kamen. Diese Begegnungen sind am Ende der Grund, warum man all die Strapazen im Wahlkampf auf sich nimmt. Denn: Wer sein Warum kennt, dem ist das Wie nicht so wichtig.

Ein großes Team hat mich bei so Vielem der gesamten Kampagne mit Herz, Hand und Verstand unterstützt. Fleißige Helfer, die am Tag, in der Nacht, bei Regen oder auch bei brütender Hitze Klinken geputzt, Flyer und Bürgerbriefe verteilt oder Plakate aufgestellt haben. Manche sind mit einem Rasenmäher rausgefahren, um das sicht-versperrende Gras vor meinen Großflächenplakaten zu mähen. So viel Unterstützung ist nicht selbstverständlich und ich bin zutiefst dankbar dafür.

Als das Ergebnis am Abend des 19. Juni feststand, war ich wirklich überrascht, so wie wohl die allermeisten. Selbst der Amtsinhaber rechnete mit einer Stichwahl. Offenbar haben sich gerade die Wähler von SPD und Grünen gedacht, warum sollen wir erst in der Stichwahl Stahl wählen und den zweiten Wahlgang quasi vorgezogen. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass drei Bewerber weniger als 7% holen.

Womit ich aber vor allem nicht gerechnet habe, ist ein schlechter Gewinner, der seinen Sieg im ersten Wahlgang nicht genießen kann und stattdessen via MOZ gegen BVB / FREIE WÄHLER, Péter Vida und mich schießt. Zwei Tage nach der Wahl zu behaupten, er habe gegen Péter Vida und nicht gegen mich gekämpft, ist nicht nur absurd, sondern zeigt auch, in welche Richtung seine Kritik wieder zielt. Die bereits im Wahlkampf offen zu Tage getretene inhaltliche Ebbe von André Stahl versuchte er im Artikel dann mit einem allgemeinen inhaltlichen Herrschaftsanspruch zu kaschieren. Ich hätte von ihm nicht erwartet, dass er so reagiert und so offenkundig zeigt, wie egal ihm die Meinungen derjenigen sind, die mich gewählt haben. Denn Demokratie funktioniert nun mal so, dass nach der Wahl zwar die Mehrheit sagt, was passiert, die Minderheit aber auch eine Stimme hat… Auch wer weniger Stimmen bekommen hat, hat ein Recht darauf, seine Wähler und Inhalte zu repräsentieren. Dieses Recht kann ihm bzw. ihr keiner nehmen.

Ich für meinen Teil werde versuchen, konstruktiv Bernau voranzubringen, so wie bisher auch. Gemeinsam mit BVB / FREIE WÄHLER Bernau werden wir auch weiter in der SVV als Kraft der bürgerlichen Mitte mit dem Ohr an den Bernauerinnen und Bernauern bleiben, um gute Politik für unsere Stadt zu machen. Unser Ziel ist es, bei der Kommunalwahl 2024 noch stärker zu werden. Die Bürgermeisterwahl hat sehr gut gezeigt, welches Potenzial noch möglich ist.

Ich freue mich, jetzt wieder mehr Zeit für die Familie zu haben mit besonders viel Mama-Zeit, die in den letzten Monaten deutlich reduziert war. Ich bin inzwischen wieder im Alltag ohne Wahlkampf angekommen (Family-Business, BMAS, Verein und Mandat) und freue mich auf meinen Sommerurlaub mit der Familie. Ich möchte an dieser Stelle nochmal einen ganz besonderen Dank sagen. An das gesamte BVB-FW-Team, an all meine Wählerinnen und Wähler und vor allem DANKE an meine Familie, ohne die das alles nicht geklappt hätte. Vielen lieben Dank!

Und nun geht es weiter: Mit Herz, Hand und Verstand.

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